Heute waren wir in Jerusalem. Um 9.30 Uhr sind wir in Yad Vashem angekommen. Da ist ein großes Holocaust-Gedenkzentrum, durch das wir von einem charismatischen Guide eine Führung bekamen. Doch bevor wir hinein durften, mussten wir erst einmal die Sicherheitsmaßnahmen über uns ergehen lassen. Denn heute, am Holocaust-Gedenktag, war das Zentrum sehr gut besucht. Sowohl Staatspräsident, Premierminister, als auch andere hochrangige Minister_innen* waren zu Besuch, um gemeinsam zu Gedenken. Um 10 Uhr dann, kurz bevor wir rein konnten, gingen im ganzen Land sämtliche Sirenen los und Israel stand für zwei Minuten still. Komplett still. Ein Land in Trauer, ein Land Gedenkt und mahnt alle Völker und Religionen dieser Welt. Es war wahnsinnig eindrucksvoll.
Im Gedenkzentrum wurde dann der Shoa mal von einer ganz anderen Seite aufgezeigt und dargestellt. Von der Seite der Juden, aus der Sicht eines Juden, aus der Sicht des Volkes, was so sehr unterm Nazi-Regime gelitten hat. Ihr könnt euch vorstellen, dass man die 3 stündige Führung schwer in Worte fassen kann. Zumindest gelange ich da an meine Grenzen, die vielen Gefühle, die dabei hochgekommen und entstanden sind, in einem Text fest zu halten. Ein paar Bilder haben wir unerlaubter Weise gemacht, die sind online, was ich dazu fügen kann bzw. möchte ist eigentlich nur das, was ich schon gesagt habe. Es war anders als die Gedenkstätten in Deutschland, nicht weniger bedrückend und eben aus einer anderen Sichtweise heraus.
Danach sind wir in einer Gedenkstätte (immer noch in Yad Vashem) für die ermordeten Kinder im dritten Reich gegangen. Ein Gang führte in einen Raum, beides völlig dunkel. Im Raum standen lediglich fünf Kerzen, die sich in den systematisch angelegten Spiegeln an Wänden und Decke spiegelten. So erschien das Bild, dass unendlich viele, kleine Sterne in diesem dunklen Raum aufleuchten. Im Hintergrund wurden in verschiedenen Sprachen die Daten der ermordeten Kinder aufgesagt.
Anschließend ging es dann ins „Tal der Gemeinden“, in dem wir unsere Gedenk-Zeremonie abhielten. Wie vor einem Jahr in Deutschland (damals in Flossenbürg), hatten wir die Zeremonie vorher vorbereitet, sodass jeweils einer der israelischen Freunde und ein Deutscher einen der ausgewählten Texte vortrug, also einmal auf Deutsch und einmal in Hebräisch. Geschlossen haben wir mit der Niederlegung von zwei Kränzen, „Den Toten zum Gedenken, den Lebenden zur Mahnung“, so der deutsche Text, die Zeremonie abgeschlossen. Die Zeremonie ging, genau wie letztes Jahr, wieder sehr nahe.
Das alles hat neben dem komischen Bauchgefühl auch ein anderes Bauchgefühl hinterlassen: Hunger! Unglaublich, das war überraschend, dass wir tatsächlich in diesem Land Hunger haben konnten. Bei den Massen an Schlemmereien, die wir ständig serviert bekommen. Also gingen in Jerusalems „Neustadt“ etwas essen, wobei „etwas“ untertrieben ist. Aber es sind ja etliche Essensfotos online, das habt ihr ja schon mitbekommen.
So konnten wir frisch gestärkt in die Altstadt ziehen. Und was es natürlich als Erstes zu erkunden hieß, war der wahnsinnig riesige Basar! Dank unseren feilschfreudigen israelischen Freunde konnten wir die Preise sehr gut drücken, also ganz tolle Sachen für wenig Geld unseren Daheimgebliebenen kaufen. Anschließend besichtigten wir noch die Grabeskirche und die Klagemauer, was deutlich die, meiner persönlichen Meinung nach, Perversität aufzeigt, mit der manche Menschen ihre Religion ausleben. Whatever.
Der krönende Abschluss dieses abwechslungsreichen Tages war die Einladung in das Haus von Schlommi, einer unserer israelischen Freunde. Er hat uns zu sich zum Kaffee eingeladen, was nicht ganz der Wahrheit entsprach, da auch er wieder gut Snacks aufgetischt hatte (bzw. seine Frau). Er hat ein tolles Zuhause, durch das er uns stolz geführt hat. Ich hab sogar sehr intensiv das „Arbeitszimmer“ seiner beiden Kinder (der kleine Ofek, 9 Jahre und die große Bar, 14 Jahre) benutzt, da ich ja die Social Networks pflegen musste. :)
Danach gings dann, völlig erdrückt von dem langen, ereignisreichen Tag, ins Bett, ohne das Tagebuch zu aktualisieren. Ich denke, aufgrund des langen Eintrages von einem der „schönsten“ Tage könnt ihr das verstehen.DG